Rückschau
TONSPUR
Ab 2012 plant das Rationaltheater mit dem Filmfest TONSPUR eine seiner aufwendigsten Produktionen der letzten Jahre.Musiker aus ganz Europa, den USA und Australien vertonen Stummfilme live mit Ihren eigenen Werken, die sie exklusiv für die Filme komponiert haben. Einen Vorgeschmack zeigten wir am 26. und 27. November mit der italienischen Gruppe ziZ (www.myspace.com/ziz2009), die den Film "Lonesome" (1928) des ungarischen Regisseurs Pál Fejös live vertonte.


Fotos: Florian Freund
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DER GEWISSENLOSE MÖRDER HASSE KARLSSON ENTHÜLLT DIE ENTSETZLICHE WAHRHEIT, WIE DIE FRAU ÜBER DER EISENBAHNBRÜCKE ZU TODE GEKOMMEN IST von Henning Mankell

Bild: Michael Matiu
Am 23. Oktober fand die (vorerst) letzte Vorstellung von Hasse und Schwalbe statt. Hasse ist 13. Schwalbe ist auch dreizehn und anders. Es ist Winter und -23 Grad. Die Jungen warten an der Eisenbahnbrücke. „Worauf warten wir eigentlich?“ möchte Hasse wissen. Schwalbe antwortet: „Wer über die Brücke kommt, wird unser Opfer sein.“ Ein Stück über schuldhafte Verstrickungen von Kindern und Schmerzen, die unvergessen bleiben.






Bilder: Susa Heck
Regie: Lina Hölscher
Schauspieler: Benjamin Jorns, Christopher Goetzie, Sandra Obermeier, Maike Specht
Eine Kritik vom Martin Petschan können Sie hier lesen: http://theatertogo.wordpress.com/tag/rationaltheater/
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K.C. MCKANZIE
Am 1. Oktober spielte K.C. McKanzie im Rationaltheater. K.C. McKanzies Werk entspringt der alternativen Rock und Songwriterszene, und wird durch ihre Liebe zum englischen Folk und Americana zu einer einzigartigen Mischung. Mit Kontrabass, Gitarre, Banjo, Hammer und Stein, Maultrommel, Schlagzeug und einer angezerrten 50er Sperrholz Gitarre bauen Mitmusiker Budi und K.C. ein minimalistisches aber kraftvolles, rythmusverliebtes Grundgerüst, über welches K.C. mit ihrer hypnotischen Stimme verspielt und eigensinnig ihre vertrackten Texte und eingängigen Melodien legt.

Fotos: Susa Heck
Nach dem Konzert haben wir mit ihr noch an der Bar geplaudert.
Erzähl doch ein bisschen über Dich, Deinen Werdegang. Wann hast Du begonnen, Musik zu machen? Wie hast Du singen und spielen gelernt?
Die Band "K.C. McKanzie", bestehend aus K.C. McKanzie (Gesang, Gitarre, Banjo) und Budi (Bass, Banjo) gibt es seit 2007. Wir sind seither viel unterwegs, in ganz Europa und viel in Deutschland und haben 4 CDs veröffentlicht. Wir sind beides Autodidakten und hatten nur wenig Kontakt mit Musiklehrern. Ich, K.C., schreibe die Songs. Den Rest machen wir gemeinsam. Vor „K.C. McKanzie“ habe ich nur wenig Musik gemacht.
Welche musikalischen Einflüsse hattest Du über die Jahre, wie hat sich Deine Musik im Laufe der Zeit verändert?
Budi und ich sind sehr beeinflusst von Folk, Country, Bluegrass, Rock’n’Roll, SingerSongwriter, ProgressiveRock, Pop und Punk. Natürlich von jeder dieser Richtungen nur das Beste und nicht zuviel. Ich kann nur schwer selbst beurteilen wie sich unsere Musik verändert. Ich selbst habe das Gefühl sie wird eigenständiger und mutiger, vielleicht auch erfahrener mit den Jahren auf all den Bühnen. Mein Schreibstil wird entgegen meiner Erwartungen kompromissloser und ich bin selbst gespannt, wohin das führt.
Was hat sich in der Musikszene verändert, seit Du angefangen hast? Wie empfindest Du diese Veränderungen?
Wir waren nie Teil einer Szene, da sich Musik auf so vielen Ebenen abspielt und gerade unsere Musik sehr selten in Deutschland anzutreffen ist. Folk kommt und geht in den Medien, jedes Jahr gibt es eine Welle von Künstlern die neu erscheinen. Wenn man aber selbst spielt dann verliert man diese äußere mediale Wahrnehmung. So agieren Budi und ich völlig losgelöst von den Medien und Trends. Das war von Anfang an so und es stabilisiert den Wirkungskreis der Band.Natürlich nehme ich Veränderungen war, aber ich kann diese Veränderungen nicht pauschalisieren, es gibt gute und schlechte Zeiten, überall. Wir haben ja in einer Zeit begonnen als wir schon vom Internet profitieren konnten, sprich nicht mehr abhängig waren von Medien und Firmen um Zuhörer zu erreichen. Ich halte dies, trotz des Gejammers über illegale Downloads, für den größten Fortschritt: wir können Interessierte direkt selbst erreichen.
Was rätst Du angehenden Künstlerinnen, gibt es irgendwelche Tipps und Tricks, die Du ihnen mit auf ihren Weg geben möchtest?
In Deutschland haben die Menschen immerzu Angst vor allem. Deshalb trauen sich viele Künstler nicht ihr Ding durchzuziehen. Der soziale Druck und die Kälte und Stumpfheit der Medien ist sehr abschreckend. Und anstatt Kunst zu machen muss man sich eigentlich nur beweisen. Das ist eine sehr kunstfeindliches Umfeld. Ich empfehle nicht soviel auf das Geschwätz anderer zu geben und seinem Instinkt zu folgen. „Künstler“ sein hat viele Facetten und es gibt auch genug profitorientierte Idioten in der Kunst, genau wie sonst überall auch. Wenn es jemandem wirklich um den Prozess der künstlerischen Auseinandersetzung in der Musik geht, dann ist der Preis dafür nicht der Erfolg, der ist zufällig.
Welches war Dein größter Erfolg, bzw. welches Deiner Erlebnisse hast Du als besonders prägend in Erinnerung?
Wann immer bei einem Konzert dieses bestimmte „Wir“-Gefühl zwischen uns und dem Publikum entsteht fühle ich mich bestätigt in dem was ich tue. Ein Konzert einfach runterzuspielen ist zu schmerzhaft für uns und die Zuhörer. Aber wenn sie die Musik aufnehmen und annehmen, dann entsteht eine Kommunikation in der ich keinen Song beschreiben muss oder Leute bei Laune halten muss. Die Musik schafft eine Vertrautheit, etwas Persönliches. Die Menschen fühlen sich berührt und verstanden, da steckt eine Verantwortung dahinter deren ich mir bewusst bin und die mich sehr ehrt.
Gab es in Deiner Karriere auch Pannen bzw. Rückschläge, über die Du heute lachen musst?
Natürlich. Es liegen ständig Steine im Weg herum und an manchen Tagen habe ich keine Lust, sie wegzuräumen. Aber das ist alles Kleinkram, der nichts mit der künstlerischen Entwicklung zu tun hat, mir höchstens die Zeit dafür nimmt. Budi und ich lachen sehr viel über Pannen und skurrile Erlebnisse. Jeder, der mit uns mal einen Abend verbracht hat, kennt ein paar unserer Geschichten, die furchtbar sind, wenn man sie durchlebt, aber toll zum erzählen. Aber diese Sachen gehören zum „Zirkusleben“ dazu: du schläfst auf dem Fußboden einer schmutzigen WG, das Auto bleibt stecken, das Bandessen ist ungenießbar oder die Anlage macht Probleme, jemand bricht in das Auto ein und klaut zwei Kisten CDs, du stehst mit Fieber und Halsschmerzen in einer verrauchten Kneipe und singst, etc. Aber da muss man durch und lernt vor allem, geduldig zu sein. Dennoch haben Budi und ich das Wesentliche nicht aus den Augen verloren: Spaß an der Musik zu haben und uns treu zu bleiben. Wir teilen die Feste Überzeugung, dass es Plätze und Ohren für unsere Musik gibt und werden auch immer mehr darin bestätigt.
Was hast Du aus ihnen gelernt?
Geduld und gewisse Dinge zu meiden. Ich beschütze inzwischen unsere Band und lauf nicht mehr in jedes offene Messer. Ich suche bewusst Wohlfühlkonzerte und Orte für uns. Budi und ich wissen auch, wie wichtig der Zusammenhalt ist. Wir können die harten Zeiten nur durchstehen, wenn wir uns gegenseitig stärken und dem anderen vertrauen. Die Bühnenmagie lässt sich nicht nachstellen, das muss echt sein. Und das ist der Lohn für einen harten Tag, es trotzdem geschafft zu haben, jemanden zu berühren und eine gute Show zu spielen.
Möchtest Du noch ein paar Worte über das Rationaltheater sagen?
Wunderschönes Theater! Gute Atmosphäre! Sehr nette Leute! Und die Musik vom Band lässt einen schön an der Bar versacken!

