Kino

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Ende 2008 wurde das Kino im Rationaltheater wiedereröffnet. Ausgestattet mit einer 16mm Xenon Projektoranlage und einer neuen Leinwand, zeigen wir jeden 16. des Monats einen 16mm Film. Dazwischen ist das RT-Kino für alle außergewöhnlichen Produktionen offen.



Das Kneipenkino im Rationaltheater

Die Geschichte des Kneipenkinos begann 1971. Edgar Reitz und Ula Stöckl bauten zusammen mit Reiner Uthoff einen Vorführraum mit zwei Bauer-Filmprojektoren ins Rationaltheater. Sie wollten in München eine Spielstätte für Filme schaffen, die von der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) verboten wurden. Nach den Theatervorstellungen verwandelte sich das Rationaltheater, um 23 Uhr, in ein 16mm Kino. Nicht selten warteten die Zuschauer in langen Schlangen auf Einlass. Für 3,50 DM Eintritt konnte man Filme sehen, die in keinem anderen Kino gezeigt wurden. Ganz oben auf der Wunschliste waren Die Geschichten vom Kübelkind (s.u.)
Die Programmgestaltung und Organisation des Kneipenkinos wurde von Jahr zu Jahr aufwendiger und teurer und bald reichten die Kapazitäten für einen regelmäßigen Spielbetrieb nicht mehr aus. 1978 fand die vorläufig letzte Filmvorführung im Rationaltheater statt. Dreißig Jahre später, im Dezember 2008, wurde das RT-Kino wiedereröffnet.


Die Geschichte vom Kübelkind


Das Kübelkind entsteigt einer Mülltonne und begegnet sogleich der Gesellschaft in Form der gestrengen Frau Wohlfahrt, die ihm Sitte und Anstand beibringen möchte. Aber das Kübelkind - von beginn an erwachsen - lernt nie nur das, was es lernen soll. 

Die Begründung des Jugendentscheids:

Die Geschichte vom Kübelkind, Uraufführung München: Kneipenkino im Rationaltheater     2. April 1971, sind für Jugendliche unter 18 Jahren verwirrend und unvollständig. Der Film ist randvoll mit unsittlichen Redensarten. Die Verunglimpfung religiöser Werte, hier wohl als Parodie, ist für Jugendliche im höchsten Grade abträglich. Dazu kommt die Darstellung des Sexuellen in einer Form, die Jugendliche verwirren und abstoßen muß (Masturbation des Kübelkindes im Gerstenfeld usw.). Auch die Sequenzen, in denen das Kübelkind erwürgt und erhängt wird, sowie das Ersäufen weiterer Kübelkinder sind dazu angetan, Jugendliche in ihrer Entwicklung schwer zu beeinträchtigen. Der Arbeitsausschuß lehnt eine Freigabe für Jugendliche unter 18 Jahren daher ab.
Ergebnis:
Freigegeben ab 18Jahren. Der Film ist auch mit Jugendverbot und Schnittauflagen „nicht für die stillen Feiertage“ freizugeben.

Kritiken:

Die Lust am Kino, hier ist sie wieder vorhanden, paradoxerweise in einem Film, der sich im herkömmlichen Kino nicht aufführen läßt.
Wilhelm Roth, Recklinghausener Zeitung, 08.07.1971


Diese bislang 23 Kurzfilme einer Serie gehören meiner Meinung nach zum Wichtigsten und Gelungensten, was der deutsche Film in den letzten Jahren hervorgebracht hat.
Ekkehard Pluta, Film International, Berlin 01.07.1971


Ein Film von so sinnlicher Intelligenz, auf so phantasievolle Art Didaktik mit Spaß verbindend, von so ingeniösen Einfällen, daß man aus dem Staunen nicht herauskam und vom Staunen nicht aus der Betroffenheit.
M. Delling, Dt. Allg. Sonntagsblatt, Hamburg, 07.1971